Gedanken und Inspirationen durch das Jahr

An dieser Stelle werden in regelmäßigen Abständen Gedanken, Gedichte und Inspirationen von der Leiterin Frau Petra Focke zum Ausdruck gebracht.

 

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Ein Wort hat mich diese Tage berührt: „Fehlerfreundlichkeit“ – was für ein schöner Ausdruck!

Darf ich Fehler machen?

Wenn ich mir die Frage stelle, dann kann ich sie auch nur zögernd beantworten. Mir fällt es nicht immer leicht, meine eigenen Fehler zu verzeihen, ich neige zum Perfektionismus und möchte am liebsten alles richtig machen.

Nun ja, in bestimmten Situationen möchte auch ich nicht, dass Fehler gemacht werden: ob beim Friseur, beim Zahnarzt oder gar bei einer Operation. Und auch die anderen Verkehrsteilnehmer, die mit mir unterwegs sind, sollten keine gravierenden Fehler machen. Es hat schon seinen Sinn, sich zu bemühen, Fehler möglichst zu vermeiden und exakt und präzise zu arbeiten. Andererseits wissen wir doch alle, dass niemand fehlerlos ist, niemand perfekt.

Aber wenn ich mir vorstelle, wir lebten in einer perfekten Welt und wären selber perfekt: grauselig. Dann wäre alles programmiert wie bei einem Computerprogramm, dann gäbe es keine Überraschungen mehr und auch keine Freiheit, dann wäre alles festgelegt.

Doch: Wenn ich Fehler mache, dann kann ich dafür auch gerade stehen. Das scheint jedoch für viele schwierig zu sein, so erlebe ich es jedenfalls immer wieder. Es ist immer einfacher, anderen die Fehler zu zuschieben, keine Verantwortung dafür zu übernehmen. Alles vertraute Muster, wenn uns dieses „Ich war es. Es war mein Fehler“ nicht über die Lippen kommen will. Weil ich vielleicht die Scham über mein eigenes Versagen nicht ertrage, weil ich gut dastehen möchte, weil ich Angst habe, nicht gemocht und geliebt zu sein - mit meinen Fehlern udn Schwächen. 

Es war ein Fehler und kein Grund, mich selbst zu verurteilen, kein Grund, darüber zu reflektieren, was andere jetzt von mir denken, kein Grund, den Fehler nicht zuzugeben. Und darum darf ich scheitern, versagen, darf ich unvollkommen bleiben, darf ich an Brüchen wachsen und aus Fehlern lernen; denn ohne Fehler kann es keine Entwicklung geben.

Nobody is perfect, niemand ist vollkommen. Wähle den barmherzigen Umgang mit dir selber und steh' zu deinen Fehlern und verzeihe die der anderen. Das ist wahre Größe, die ein Perfektionist nie erreicht.

Darf ich Fehler machen?

Wir machen Fehler – jede und jeder von uns! Und wir dürfen hier Fehler machen – Christen sind nicht vollkommen, aber vollkommen geliebt! Ich wünsche uns allen eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit – ein Weg hin zum Frieden, hin zur Liebe!