Gedanken und Inspirationen durch das Jahr

An dieser Stelle werden in regelmäßigen Abständen Gedanken, Gedichte und Inspirationen von der Leiterin Frau Petra Focke zum Ausdruck gebracht.

IMG 20210702 WA0007Wie groß ist die Sehnsucht, endlich wieder unbefangen mit anderen Menschen zusammen zu kommen: miteinander zu essen und zu trinken, sich in den Arm zu nehmen, nach Herzenslust zu feiern – und all das ohne Masken, ohne Angst und Sorgen – einfach so, weil es uns gut tut und weil niemand von uns auf Dauer ohne menschliche Nähe leben kann. Viele Lockerungen sind aufgrund der niedrigen Inzidenzzahlen wieder erlaubt – aber – es ist Vorsicht geboten – so meine Meinung. Niemand von uns weiß, ob die Pandemie wirklich bald bezwungen ist. Inzidenzzahlen – ja, Zahlen spielen seit der Corona-Pandemie eine große Rolle.

Wie hoch ist die Inzidenzzahl? Wie hoch ist die Zahl der neu infizierten Menschen? Wie viele Menschen befinden sich in Quarantäne? Mit wie vielen Leuten darf ich mich treffen? Wie viele Gäste darf ich für die Erstkommunionfeier einladen? Wie viele dürfen zur Beerdigungsfeier kommen? Und auch sonst arbeiten wir mit Zahlen, das kann ich von mir jedenfalls sagen. Zahlen sind sehr aussagekräftig, an ihnen kann ich mich scheinbar gut festhalten. Aber eben nur scheinbar!

Auf meinem Schreibtisch geht es u. a. auch um Zahlen – dafür bin ich verantwortlich. Aber letztlich bin ich verantwortlich für die Menschen, die die Zahlen liefern, für die Menschen, die mit mir arbeiten und sich engagieren. Wie soll ich Ideenreichtum, Durchhaltewillen, Engagement, Identifikation und Begeisterung mit einrechnen?

Die Zahlen zeigen auch nicht, was für Schicksale sich dahinter verbergen, wir mögen es ahnen und haben es vielleicht hautnah erlebt. Zählen lässt sich nicht der Stress, die Anspannung, die vielen Entscheidungen, die getroffen werden mussten, die Tränen, die geweint wurden. Bezahlbar ist zudem nicht der Wert eines öffentlichen Gesundheitswesens, der Wert von „public health“, der in dieser Pandemie wiederentdeckt wurde. Nicht zu messen ist der Wert vieler, die mit zuversichtlichen Worten, Gesten und Taten das Klima des Miteinanders bereichern, die sich für die Gemeinschaft einsetzen.

Mir ist in dieser Pandemiezeit noch einmal ganz deutlich geworden, was wirklich zählt, wo ich auch in Zukunft mehr ‚investieren‘ möchte: Zeit für Stille, für die Natur, für die Sinnlichkeit, für die kleinen Wunder, die mir täglich begegnen, die ich dankbar wahrnehmen darf und für die Aufrechterhaltung aufbauender Freundschaften.

Ich weiß, dass ich mich nicht von Zahlen abhängig machen muss, denn ich kann auf Gott zählen. Gott versichert uns: Was auch passiert, ihr werdet in meiner Bilanz nicht verschwinden, ich behalte euch im Bick, mein göttlicher Überblick ist größer als ihr es euch je vorstellen könnt. Leben ist nicht berechenbar – auch wenn ich es gerne so hätte. Doch: Ich kann mit Gott rechnen, denn Gott rechnet anders. Er rechnet nicht auf, rechnet nicht kleinkariert zusammen, er rechnet nicht mit großen Taten – auch kleine Rechnungen gehen auf. Wenn wir mit Respekt, mit Toleranz verantwortlich Gemeinschaft leben, dann spüren wir, dass sich auch in den unerwarteten Rechnungen Gott zeigt – mitten im Leben, was für ein Geschenk!

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.